Danzig und Berlin

Danzig: eine Märchenstadt,
romantisch,
man kann träumen.
Berlin: eine Stadt mit Resten von vielen Märchen,
ein Ort von bodenständigen (Alp)Träumen,
(sozial- und wirtschafts)romantisch,
man muss träumen.

Danzig wirkt meistens als “schöne Stadt”, sie entspricht
der gängigen Vorstellung einer historischen Stadt:
sie ist kleinteilig, bunt, vielfältig, historisch
(so wie uns meistens eine historische Stadt vorstellen,
von der Gotik bis zur Neoklassik), ins Szene gesetzt,
durch eine Decke von Patina/Abnutzung harmonisiert.

Sie wirkt einheitlich durch Ihre Uneinheitlichkeit.

Einheitlich sind die Grundvolumen und die Typologie der Häuser,
sehr selten sind sichtbare Brüche durch die Moderne und durch den Krieg,
sichtbare Gegensätze zwischen Gebäuden, wie wir sie in historischen Stadtkernen kennen,
die durch die Moderne und durch den Krieg geprägt wurden.

Sonst aber wirkt die Stadt so uneinheitlich wie eine historische Stadt,
wo Gotik, Barock, teilweise Neoklassik aufeinander geschichtet sind,
wo jedes Haus in der Höhe, in der Fassade, im Grad der Instandhaltung
Auf und Ab der Geschichte des Hauses und ihrer wechselnden Bewohner widerspricht.

Die übriggebliebene Patina der Vernachlässigung und des Mangel aus der Zeit des damals real existierenden Sozialismus und die Widersprüchlichkeit des Wachstums des jetzigen Polens
lassen das Ganze noch authentischer wirken.
Kein durchgängiger Luxus hat den Stadtkern noch nicht zum Glanz poliert,
man hat den Eindruck, dass auch arme Menschen im Stadtkern teilweise wohnen.

Das macht auch das Leben in dem Stadtkern lebendiger und authentischer

Ist sie aber authentisch? Nein.

Jedenfalls ist sie polnisch und (alt)sozialisch.

60 Jahre alte Häuser, die viel älter (über 400 Jahre) wirken
und eine einheitliche Patina/Abnutzung entwickelt haben:
Sie wirken glaubhaft alt.

Bunte Häuser, die auch Touristenkulissen darstellen,
wechseln sich mit graueren, normaleren Häusern
(in der zweiten oder dritten aufgelockerten grünen Reihe) ab.
Antike Formen und Dimensionen vereinigen bunte und graue Gebäuden.

Literaturauswahl:

Das Problem der Modernität – Danzigs architektonische Kultur von Jacek Friedrich
http://www.buero-kopernikus.org/de/article/31/7.html

Rekonstruktion statt Original – das historische Zentrum von Warschau von Małgorzata Omilanowska
Artikel aus Informationen zur Raumentwicklung Heft 3/4.2011

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